Existenzkrise: Als „Chief“ auf FMS Heidelberg – NC 465

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Ende der 1970 und Anfang der 1980 er Jahre befand sich die deutsche Hochseefischerei in einer dramatischen Existenzkrise. Hohe Treibstoffkosten und niedrige Fischpreise und schlechter werdende Fänge machten der Branche zu schaffen. Vor allem der Verlust vieler Fanggebiete wurde zu einem großen Problem. Die Fischereiindustrie ist sehr wichtig für die Volkswirtschaft Grönlands. Es ist die Quelle der Existenzgrundlage vieler Menschen im ganzen Land.

Ich fuhr damals als „Chief„ auf der Heidelberg, ein Trawler der sogenannten Universitätsklasse, gebaut 1965 auf der Seebeckwerft in Bremerhaven.

Wir fischten im Februar 1980 unter Ostgrönland und zwar in Grönländischen Territorialgewässer. Winterliche Wetterbedingungen, Schneeböen und schlechte Sichtverhältnisse. Die damaligen Rechtsvorschriften mußten respektiert werden.

Auf einmal näherte sich ein größeres graues Schiff – es war eine dänische Fregatte. Die Anordnungen der Marine war, sofort zu hieven, das heißt ‘Netz an Deck’. Ein Marinekommando wollte an Bord der Heidelberg kommen. Unser Kapitän dachte überhaupt nicht daran, diese Anordnung zu befolgen. Er sagte:

‘Chief , volle Kraft vorraus, alles was beide Maschinen hergeben , schau nicht auf irgendwelche Temperaturen.’

Ich erwiderte:

‘Denk daran, wir müssen stoppen, die Fregatte läuft immerhin über 40 Kn.’

Die Marineleute wurden ärgerlich und stoppten die Heidelberg mit ein sogenannten Schuss vor unseren Bug. Es kam ein Kommando zu uns an Bord und kontrollierte den Fischraum, die Papiere und die Folge war, wir mußten sofort Kurs auf Westgrönland nehmen und die Hauptstadt anlaufen. Der Trawler wurde der illegalen Fischerei bzw. Unregelmäßigkeit in den Papieren beschuldigt. Drei Marinesoldaten blieben bei uns an Bord und so fuhren wir nach Nuuk.

Dort wurde unsere Heidelberg richtig auseinander genommen. Der Einsatzleiter aus Cuxhaven und ein Anwalt aus Bremerhaven waren inzwischen eingetroffen. Es kam vor Gericht zu harten Verhandlungen mit der Reederei und unserem Kapitän. 3 Wochen dauerte die ganze Angelegenheit. Das Gericht verurteilte unseren Kapitän zu einer Strafe von 195.000,- DM, die der Kapitän selber bezahlen mußte. Das beschlagnahmte Fanggeschirr und der illegale Fang wurden vom Gericht mit 525.000,- DM beziffert . Diese Summe mußte die Reederei überweisen.

Sogar der damalige Bundeskanzler in Bonn Schmidt schaltete sich in die Verhandlungen ein, um das Schiff und Besatzung frei zu bekommen. Die Presse in Grönland, Dänemark und in der Bunderepublik war voll mit entsprechenden Storys.

Aufgeschrieben

von Claus Biernoth

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