Hochseefischer und Kap Hornier
Kapitän Ahlrich Schulte aus Cuxhaven
von Dieter Kokot
Neben Kapitän Joseph König, der als Matrose 1906/1907 auf dem Vollschiff PREUSSEN fuhr, hat mit Ahlrich Schulte ein weiterer Cuxhavener Fischdampfer¬kapitän auf einem Segelschiff Kap Horn umrundet.
Geboren am 11. August 1902 in Barßelermoor, musterte Schulte am 6. Februar 1918 auf dem Segler HENRIETTE in der Küstenfahrt an und wurde nach zwei Jahren Fahrtzeit Matrose. Am 29. Juli 1920 trat er seinen Dienst auf der neuen Viermastbark PRIWALL der Reederei Laisz an. Schon am gleichen Tag begann die Bark ihre Jungfernreise mit 234 Seeleuten zusätzlich an Bord, die nach chilenischen Häfen gebracht werden sollten.
Es wurde eine abenteuerliche Reise. Die zusätzlichen Seeleute sollten als Mannschaft die in Chile während des 1. Weltkrieges internierten deutschen Segelschiffe zurück nach Deutschland bringen. Mit diesen Seeleuten kam es während der Reise allerdings zu erheblichen Schwierigkeiten. Als Nothafen musste Montevideo angelaufen werden, wo ein Teil der Leute das Schiff verließ.
Die anderen Leute wurden in Chile gelandet und nach Übernahme von Ladung in Chile trat die PRIWALL die Heimreise an. Alle Details dieser Katastrophenreise sind zu finden in der Montags-Story 101-Jungfernreise der PRIWALL Diese endete im April 1921 in Hamburg. Dort musterte Ahlrich Schulte am 21. April ab.
Im August 1921 erfolgte dann sein Einstieg bei der Hochseefischerei auf dem Bremerhavener Fischdampfer ADMIRAL SCHEER. Im Februar 1922 wechselte der junge Mann nach Cuxhaven und musterte dort als Matrose auf dem FD CUXHAVEN der Deutschen Seefischerei AG an. Es folgten weitere Fahrten als Matrose und Netzmacher auf verschiedenen Cuxhavener Schiffen.
Nach erfolgreichem Besuch der Seefahrtschule erhielt er das Patent zum Steuermann. Sein erster Einsatz als 2. Steuermann erfolgte auf FISCHEREIDIREKTOR LÜBBERT.
Bis zum erneuten Besuch der Seefahrtschule zur Erlangung des Kapitänspatentes war er weiter als 2. und 1. Steuermann auf mehreren Schiffen tätig. Mit der Befähigung zum Kapitän fuhr er ab 1931 zunächst noch als 1. Steuermann, bis ihm im April 1936 das Kommando auf FD ESCHWEGE übertragen wurde. Weitere Stationen bis zum Krieg waren die Fischdampfer DÖSE, CELLE und SENATOR HEIDTMANN, bis er im September 1939 schließlich zur Kriegsmarine eingezogen wurde.
Nach kurzer Kriegsgefangenschaft im Juli 1945 entlassen, konnte Kapitän Schulte seinen Dienst auf Schiffen der Cuxhavener „Nordsee“ wieder antreten. Am 15. Dezember 1950 übertrug man ihm das Kommando auf FD DÜSSELDORF. Elf Jahre stand das Schiff unter seiner Führung und gehörte während dieser Zeit zu den erfolgreichsten Schiffen vom sogenannten Kontrollratstyp (Einheitsdampfer).
Nachdem Schulte 1956 das Bundesverdienstkreuz erhalten hatte und nach der Außerdienststellung der zuletzt in GRIMMSHÖRN (Grimmershörn?) umbenannten DÜSSELDORF, beendete er im April 1963 auf dem Fischdampfer OSNABRÜCK seinen aktiven Dienst, um seinen wohlverdienten Ruhestand anzutreten.
Am 16. März 1974 verstarb Kapitän Ahlrich Schulte in Cuxhaven.